Bild: M.E.S Productions / Monkey Pack Films
Die kunstvolle Brutalität im Film hat offensichtlich immer auch einen guten französischen Stil. So auch in Revenge, den ich mir etwas genauer unter meine Rezensionslupe nehmen werde. Die französische Regisseurin Coralie Fargeat hat mit Revenge einen quietschbunten Rachestreifen geschaffen, in dem das luxuriöse Leben drei reicher Männer und spritzendes Blut zu einer spannungsgeladenen Farbpalette zusammenschmelzen, bei der zugleich kein Zweifel daran besteht, dass es sich hier um einen feministischen Rachefilm handelt. Denn der Film erzählt eine Geschichte, in der sich eine junge Frau gegen eine Gruppe voyeuristischer und kranker Männer zur Wehr setzt. In der Villa spielt sich eine brutale Vergewaltigung ab, bei der keiner der Männer ein moralisches Gewissen zu entwickeln scheint.Aber zunächst zum Anfang. Der reiche Geschäftsmann Richard (Kevin Janssens) bricht mit dem Hubschrauber auf ein Jagdwochenende auf. Mitten in der Wüste wartet dort eine Villa mit Swimmingpool auf ihn, in der er mit zwei weiteren Geschäftspartnern eine ausgelassene Party feiern möchte. Er kommt jedoch früher als geplant und hat seine attraktive Geliebte Jen (Matilda Anna Ingrid Lutz) mitgebracht. Unerwartet tauchen seine zwei Freunde Stan (Vincent Colombe) und Dimitri (Guillaume Bouchède) ebenso früher auf, die sich erkennbar beeindruckt von seiner Geliebten zeigen. Die Nacht bricht ein und der Alkohol beginnt zu fließen. Jen tanzt ausgelassen, unter anderem mit Stan, der ihrer Schönheit verfallen zu sein scheint. Stan interpretiert diese Nacht als offenkundigen Flirt und kann die ablehnende Haltung der jungen Frau am nächsten morgen nicht akzeptieren. Nach einem bedrohlichen Gespräch mit Anhörungscharakter und skurrilem Wirrwarr kommt es zur Vergewaltigung in der Villa. Kurz darauf taucht Richard wieder auf.
Dieser reagiert jedoch nicht wie erwartet, sondern bietet Jen ein Schweigegeld und eine vermeintlich lukrative Zukunft an. Nach einer heftigen Auseinandersetzung mit Richard flüchtet Jen in die Wüste. Die Männer bleiben ihr dicht an den Fersen und die Verfolgung endet an einem Felshang, an dem es nicht mehr weiter geht. Nach einem misslungenen Versuch, zu einem Kompromiss zu kommen, schubst Richard seine Geliebte in die Schlucht. Jen landet nach einem tiefen Fall mit dem Rücken auf einem senkrecht stehenden abgebrochenen Ast und wird aufgespießt. Richtig platziert sind authentische Gestik und sekundengenaue Schnitte, die sich zu einem atemberaubenden und reißerischen Thriller zusammenbrauen. Mit detaillierten Aufnahmen beweist die Regisseurin ausgezeichnetes Können, die Kamera auf die richtigen Winkel zu halten, den Moment der Spannung und des Entsetzens mit wirksamen Aufnahmen aus dem direkten Umfeld einzufangen und überzeugende Bilder mit unverwechselbaren Momenten zu kreieren. Revenge ist in der Tat ein kameratechnisches Erlebnis, dass jeden Fan in dieser Richtung begeistern wird. Die Bilder wechseln rasant, gekonnt und kompromisslos und zeichnen ein Blutbad der besonderen Klasse. Die Protagonistin rechnet ungehemmt mit einer Gruppe frauenfeindlicher und brutaler Männer ab. Wer hohe technische und erzählerische Ansprüche setzt, kommt mit Revenge voll auf seine Kosten.
