Open House

Ein alleinstehendes Haus in einer ländlichen Bergregion, eigenartige Bewohner und der düstere Blaustich des Winters sind hervorragende Elemente, deren Potenziale für gute Horrorstories im Grunde kaum auszuschöpfen sind. Lediglich auf die Erzählweise kommt es an. Einige meisterhaft inszenierte Werke haben es in dieser Kategorie bereits in die Liste der angesagtesten Horrorfilme geschafft. Wald- und Landhorrorfilme sind damit schon fast eine Königsdiziplin unter experimentierfreudigen Horrorproduzenten, von denen einige so überzeugend sind, dass sie nicht lange Geheimtipp bleiben konnten. Der weitgehend unbekannte und junge Regisseur Matt Angel hat sich mit Open House im Jahr 2018 an einem Horrorthriller versucht, der mich zwar keineswegs enttäuscht hat, aber doch irgendwie nicht ganz zufrieden stellen konnte. Dabei scheint Angel sehr auf die Zusammensetzung des Kernteams wert zu legen. Fast schon traditionell, arbeitet er in diesem Film ein drittes Mal mit der Regisseurin Suzanne Coote zusammen und Hauptdarsteller Dylon (Christopher Minnette) ist durch seine zahlreichen Gastauftritte in den populärsten Serien des letzten Jahrzehnts kein Unbekannter. Zuletzt hat Angel im Psychothriller Hypnotic Regie geführt. Auch hier wieder natürlich als Duo mit Suzanne Coote.

Open House erzählt die Geschichte von einer Mutter und ihrem Sohn, die nach dem tödlichen Unfall des Familienvaters in eine abgelegene ländliche Region ziehen. Auf der Trauerfeier überredet die Schwester der Witwe Naomi (Piercy Dalton) und ihren Sohn Logan (Dylon Minnette) dazu, ihre Trauerphase in einem ihr gehörenden und leer stehenden Haus zu verbringen. Widerwillig stimmt Logan dieser Idee zu. Mutter und Sohn möchten das Angebot der Bekannten dann doch dazu nutzen, um ihre Gedanken zu ordnen und dem Neubeginn eine Chance zu geben. Der Film bleibt den fast schon teuflischen Versuchen fern, vorhersehbare Jump-Scares einzublenden und sich billigen Horrortools, wie Geschrei im Wald oder eine weglaufende Person, zu bedienen. Gekonnt fängt Angel gleich zu Beginn des Films die herrliche Landschaft aus der Vogelperspektive ein und schafft mit wiederholten Einblicken in die wunderschöne Natur eine authentische Atmosphäre, die den Zuschauer gut einstimmt und sogar schon für beginnende Spannung sorgt.

Mit dem zunächst unscheinbaren und ruhigen Beginn der Geschichte, lässt Angel viel Raum für Eindrücke einer durch den Tod des Vaters vorbelasteten Mutter-Sohn-Beziehung. Auf der Reise zu dem abgelegenen Haus, versucht Angel ein einziges Mal, mit einem wirklich fast schon veralteten Horrorshocker auf seinen Film einzustimmen. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts eine Person auf der Fahrbahn auf, wodurch Naomi vor Schreck weg lenkt und von der Spur abkommt. Von da aus unterlässt Angel dann aber weitestgehend jeden noch so bis zum Überdruss ausgereizten Einsatz billiger Horrorelemente. Ansonsten führt Regisseur Angel den Zuschauer Schritt für Schritt in eine beklemmende Atmosphäre, in dem zunächst alles möglich scheint. Bei einem Zwischenstopp an einer Tankstelle wird Logan von einer älteren Dame erkannt. Sie gibt sich als Nachbarin von Naomis Schwester aus und erklärt, dass Alison (die Schwester Naomis) sie über ihre Ankunft informiert und auch gleich ein paar Fotos geschickt hätte. Im Gespräch erklärt Martha (Patricia Bethune), dass auch ihr Mann verstorben sei und dass kein Tag vergehe, an dem sie diese Leere nicht spüre. Schon hier scheint etwas nicht zu stimmen. Als Naomi und Logan die Tankstelle verlassen, sieht ihnen Martha sehr ernst und vielsagend nach.

Die Ankunft in der neuen Umgebung wird mit viel Detail zum Haus und der Umgebung versehen. Der Regisseur beginnt nun mit abwechselnden und sich wiederholenden Ereignissen, eine mystische Umgebung zu schaffen. Ständig fällt der Boiler während dem Duschen aus, Dinge wechseln wie selbstständig ihren Platz, eines Nachts poltert jemand laut an der Tür und Martha erzählt plötzlich davon, dass sie einen Mann hat. Im Keller entdeckt Logan einen langen gemauerten Gang, an dessen Ende sich Holzsperrmüll befindet. Das Gefühl der Sicherheit im Haus kann sich folglich auch nicht mehr lange halten. Es steht zur offenen Besichtigung und dauernd betreten Immobilienmakler das Haus mit fremden Personen. Naomi und Logan müssen das Haus dafür immer wieder verlassen und die Tür wird durch die Makler nicht abgesperrt.

Der Film beeindruckt durch gelungene Sequenzwechsel und mit einer ruhigen Kameraführung, die jeder folgenden Szene die volle Entfaltung ermöglicht. Gelungen sind auch die besonderen und ideenreichen Jump-Scares, so auch als Logan aus dem Schlaf erwacht und eine undeutlich zu sehende und ausgestreckte Hand vor seinem Gesicht findet. Es ist nur der Makler, der ihn wecken wollte, weil Logan verschlafen hat. Und als Logan zum Joggen in den Wald geht, taucht da plötzlich wieder Patricia auf. Die einzelnen Ereignisse brauen sich zu einem Gemisch zusammen, das so vieles Erahnen, aber mit dem auflauernden bösen Ereignis lange auf sich warten lässt. In atmosphärischer und gestalterischer Richtung ist der Film mehr als sehenswert. Und an Detail lässt Regisseur Angel wenig zu bemängeln. Die gute schauspielerische Leistung vollendet dann auch die insgesamt gut gelungenen und authentisch daherkommende Geschichte. Über das Ende des Film lässt sich streiten. Und dieser ist auch der Grund für mich, warum der Film, trotz überwiegend positiver Bewertung, letztlich nicht ganz meinen Geschmack treffen konnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Social Share Buttons and Icons powered by Ultimatelysocial